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Betrachtungen und Reflexionen von Andreas OttigerAmmann

 

 

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Mauer
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Reflexionen einer Reise 
Bolivien Chile Peru   Januar bis Juni 2000  
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Die eigene Gestimmtheit

Januar-Februar 2011

von Andreas OttigerAmmann
Lektorin Domenica Cameron


Die Gedanken, welche ein Mensch tagtäglich hegt, die Gefühle, die in seinem Alltag auftauchen – all diese prägen. Sie erzeugen eine innere Grundhaltung. Oder anders formuliert, sie erzeugen eine innere Gestimmtheit.


Diese persönliche Gestimmtheit beeinflusst die persönliche Wahrnehmung.

„Entsprechend dem, wie ein Mensch gestimmt ist, kann er wahrnehmen.“ Wenn dieser Ausspruch als eine Wahrheit erkannt werden kann, wird ersichtlich, wie jeder einzelne Mensch „eigenständig“ wahr nimmt – und zuständig dafür ist, was er als Wahrheit erkennt.

Dieser Umstand lässt einen Suchenden aufhorchen; einen, der mehr herausfinden will, einen, der die Wahrheiten hinter den bekannten Dingen finden will. In diesem Umstand zeigt sich klarer, wie die eigene Gestimmtheit im Inneren eine eigene „Stimmung“ erzeugt - einen in einer bestimmten Frequenz schwingenden „Ton“. Diese Stimmung (Ton) ist wie ein Filter und lässt nur das als „wahr“ zu, was zu dem Ton passt.

Ein Mensch, der sich mit spezifischen Werten/Vorstellungen auseinandersetzt, stimmt sich auf sie ein. Sind diese Werte eher spiritueller Art und bewusstseinsmässig von feiner schwingender Natur, ist auch dieser Mensch nach gewisser Zeit mit diesen feiner schwingenden Werten in Übereinstimmung. Er geht mit ihnen in Resonanz.

Die Natur der feiner schwingenden Werte erzeugt eine Öffnung auf feiner schwingende Bewusstseinsebenen hin. In diesen Ebenen ist erweitertes, klareres, umfassender schwingendes „Wissen“ zuhause.

Für den feiner gestimmten Menschen wird es möglich, feiner gestimmte Wahrheiten, umfassenderes Wissen und weiter reichende Wahrnehmungen und Erfahrungen zu erleben und sie als wahr zu empfinden.

Dies gilt auch im umgekehrten Fall. Setzt sich ein Mensch vor allem mit tieferen, langsamer schwingenden Werten auseinander, stimmt er sich auf dumpfere, eintönigere Werte ein und nimmt sie entsprechend seiner Grundstimmung wahr. Seine Wahrheiten und Erfahrungen sind eher von „begrenzter“ Natur. Sie sind eher einengend. Im extremen Fall ist seine Wahrnehmung nur noch auf eine einzige Weltanschauung eingestimmt. Sein Erkennen und Erleben wird quasi eindimensional. Was dieser Mensch wahrzunehmen vermag – und wie er es interpretieren wird – wird einer Wahrheit entsprechen: seiner. Und dies ist richtig und stimmig. Es ist abgestimmt auf die Grundstimmung, in der dieser Mensch in seinem Alltag zuhause ist.

Dies lässt sich nachvollziehen, indem betrachtet wird, was in den vergangenen Jahrhunderten als wahr und stimmig akzeptiert worden ist.

Welche „Wahrheiten“ trugen die alten Ägypter in ihrer Hochkultur von 3200 bis 1200 v. Chr. in sich? Einige ihrer Wahrheiten zeigen sich noch heute in wohl proportionierten Tempelanlagen, worin bis heute fein und feinst schwingende Gestimmtheit spürbar ist. Dem, der sie fühlen kann, übermitteln sie Eindrücke, die weit jenseits der heutigen Anschauungswelt liegen. Sie lassen erspüren: Da ist mehr, da ist viel mehr – kaum in Worte zu fassendes.

Auf welche Wahrheiten haben sich die alten Griechen (600 bis 233 v. Chr.) eingestimmt? Ihre Wahrheiten gründeten in einer offenen und sehr weit reichenden Gestimmtheit, die in den folgenden Jahrhunderten wieder „verloren“ ging.

Bereits bis zur Zeit der Römer (um die Zeit Jesu) änderte sich diese feine Gestimmtheit. Die hohen Künste der Griechen verflachten in der Zeit der römischen Weltherrschaft. Nur ein schwacher Abglanz der griechischen Hochkultur blieb in dieser tiefer schwingenden Gestimmtheit übrig. Die Wahrheiten der Griechen und der Ägypter wurden zu Sagen, zu Geschichten – nicht von dieser Welt.

In Europa herrschte im Mittelalter eine Gestimmtheit vor, die wiederum eigene, sehr begrenzende Wahrheiten zulassen konnte.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse – Wahrheiten – des 17. ,18., 19. und 20. Jahrhunderts zeugen davon, wie langsam, jedoch stetig, sehr begrenzende Wahrheiten sich wandeln konnten. Die Grundstimmung wurde feiner, leichter, lichter. Neue erweiternde Wahrheiten konnten erkennbar werden.

Auch die Musik veränderte sich – neue Töne, ungeahnte Klangfolgen in berauschender Erhabenheit wurden hörbar und fühlbar. Sie hallen in „unvergesslichen Werken“ von Haydn, Mozart, Beethoven und vielen weiteren Komponisten bis in unsere Zeit nach.

In der Gestimmtheit der Völker, der Kulturen, gab und gibt es Wellenbewegungen – Zeiten von „feiner gestimmten Wahrheiten“, Zeiten von „grob gestimmten Wahrheiten“. Manchmal überlagern sie sich auch, einander stimulierend oder einander auslöschend.

Menschen, die „zuerst“ bereit wurden, sich auf eine neue Wellenbewegung einzustimmen, waren diejenigen, die „das Neue“, das noch zu erkennende, hervorgebracht haben. Egal, ob die Wellenbewegung in die feiner gestimmte oder in die gröber gestimmte Richtung ging.

Wird einem Menschen, der Neues finden will, all dies als eine Wahrheit erkennbar, kann Unerhofftes geschehen, er kann zu einem „bewussten Wellenreiter“ werden. Er kann sich auf die Tonlage der nahen Zukunft einstimmen. Dabei kann er Wahrheiten erfühlen und denken, die erst noch am Entstehen sind.

Es gibt für einen Wellenreiter, eine Wellenreiterin, noch einen weiteren Schritt. Sie können – im idealsten Falle – für sich die stimmige „Wellenlänge“ und „Wellenhöhe“, die „Wellenfeinheit“ erzeugen, die für sie zu einem gegebenen Moment ideal ist.

Auf diese Weise eingestimmt werden sie zu „Wellenerzeugern“. Sie und ihre Körper werden zu „Instrumenten“. Sie können bewusst „Töne“ erzeugen, wahrnehmen, erfahren.

Dies kann bedeuten:
In den ersten Übungsjahren werden solche Menschen sich wohl nur auf ein Instrument und auf eine Tonlage bewusst einstimmen können. Und sie werden in diesen erweiterten Stimmungen Gültiges erkennen und verinnerlichen.

Es wird – fast wie von selbst – der Moment heranreifen, wo die Übenden zu erkennen vermögen, dass sie ein Instrument sein könnten, das mehrere Töne in rascher Abfolge zu spielen vermag.
Gelingt dies – wenn auch nur in ersten Ansätzen – können sie spielen, in tieferen und höheren Tönen, abwechselnd, beide Variationen gleichzeitig erfahrend.

Dies ist erst der Anfang; spielen sie weiter – mit ihrer Gestimmtheit – werden sie viele, unbegrenzt erscheinende Variationen an Tönen zu spielen beginnen. In all dem werden sie Wahrheiten um Wahrheiten – alles bisher Erkannte übersteigend – erkennen. Jede für sich gültig und stimmig, in ihrer Tonlage.

Wenn viele Stunden des Übens ins Land ziehen, wird sich die Natur des Seins immens erweitern. Die Übenden werden in einer Weise gestimmt sein, die weit jenseits unserer bisher bekannten Wahrnehmung und Gestimmtheit liegt. Dort werden sie erfahren und erleben können: „Ich bin mehr als nur ein Instrument, ich bin viele Instrumente, jedes mit seinen ureigenen Wahrheiten, Tonlagen, Gestimmtheiten.“

Ihnen wird eine Welt zu eigen sein, die immer mit uns ist – in ihrer mannigfaltigen Vielgestimmtheit.
Wahrheit um Wahrheit ertönen lassend.

Jede in ihrer Weise – gleich gültig – gleich wichtig – gleich stimmig.

Es ist ein Sein, das in Allem das Eigene sieht.


In all dem wird die Frage auftauchen: Wie finde ich zu meiner eigenen Grundstimmung? Wie bin ich im innersten gestimmt – ohne all die Stimmungen, denen ich im Alltag begegne?

Diese Grundstimmung kann gefunden werden, wenn die Forschenden bereit werden, sich selber nahe zu kommen, sich selber nahe zu sein. Hin zu fühlen, wer sie sind. Erforschend, was alles zu ihnen gehört.

Es ist ein Weg, der nicht zu beschreiben ist – er muss von jedem Einzelnen „selber“ begangen werden.

Je mehr die Forschenden ihrer eigenen Grundstimmung nahe kommen, desto näher kommen sie nach „Hause“. In ein Sein, worin erfahrbar ist, wie sie die all-ein-igen Urheber und Erzeuger ihrer Stimmungen sind.


Im anstehenden Bewusstseinswandel um 2012/13 treffen sich alte und älteste, neue und neuste Wahrheiten, Stimmungen. Ungemein unterschiedliche Wellenfrequenzen sind gleichzeitig zugänglich, stimulieren Körper und Geist, die eigene Gestimmtheit.

In diesen Zeiten wird es für die Forschenden noch wichtiger, sich ihrer Gestimmtheit gewahr zu sein. Je besser sie sich auf das, was ihnen wichtig ist, einzustimmen vermögen, desto klarer werden sie zu Instrumenten, die ihre eigenen Töne halten können – egal, wie es um sie herum tönt. Auf diese Weise werden sie die höchsten Wellenbewegungen in eleganter Art durchschreiten. Wie von selbst werden sie zu beweglichen Felsen in der Brandung, zu bewussteren Schöpfern ihrer Realität.

 


Blume des Lebens, Goldener Schnitt, Kreis, Geometrie, Zelle, Zona Pellucida

 

 

 


Mauer

 

November 1997


Den Weg gehen

Seit langem kannte ich diese Angst.

Etwas war da – jedoch nicht zu erkennen.

Als ich nach jahrelangem Ausweichen bereit wurde, deutlicher hinzufühlen – dem nahe zu kommen, was in mir Gänsehaut und intensive Fluchtgedanken auszulösen vermochte, wurde es sichtbar: das Trennende, das Nicht-Gewollte – das, vor dem ich mich selber ausgegrenzt hatte.

Im gleichen Augenblick brandete tiefer, unsäglicher Schmerz ungefiltert hervor und brachte den ganzen Körper zum Erschüttern. Und es wurde mit Haut und Haaren, im gesamten Sein spürbar: Das, was ich seit Äonen suche, das, was seit jeher mit mir, um mich gewesen ist – und doch unerreichbar fern – ist hinter dieser Angst zu finden.

Mit allem „Mut“ oder eher schierer Entschlossenheit, jetzt nachdem ich wieder wusste, wo es zu finden war – direkt hinter dieser alles überdeckenden Angst – wurde ich, wurde das, was ich hier auf Erden bin, bereit, den entscheidenden Schritt zu wagen und dieser Angst direkt in ihr Antlitz zu sehen.

Mit diesem innerlichen Aufbäumen, bereit die Augen, Ohren, Gefühle offen zu halten, entstand wie von alleine der erste Schritt – und überwältigend überraschend veränderte sich sofort der gesamte Gefühlshaushalt. Etwas löste sich wie von alleine, wurde offen, losgelöst – Nicht-Gesehenes, Nicht-Fühlbares wurde erkennbar, und es zeigte sich:

 

Eine unüberwindlich scheinende Mauer

Hoch und unüberwindlich scheinend, auf soliden Fundamenten erbaut, steht die Mauer in ihrer vollen herrlichen Pracht im Lichte einer rotgoldenen Sonne, die sich behutsam dem weit geschweiften Horizont entgegen neigt. Stein um Stein aufeinander geschichtet, steht sie in strenger herber Sauberkeit und in solidem Weissgrau da. Ihre Fugen sind so glatt ineinander verschmolzen, dass es in all den Jahren nur wenigen zaghaft wachsenden Pflanzen gelungen ist, sich an ihr niederzulassen.
Manchmal scheint die Mauer furchterregend zu sein, gewaltig gross, unnahbar und abweisend. Doch dies scheint nur so. Ihr Äusseres ist wohl fest, stabil und unbeugsam, doch ist dies nichts als ihr Erscheinungsbild. Sie ist einfach zu mächtig, zu protzig, zu dick. Ihre äusserlichen Merkmale verleiten zu voreiligen Schlüssen wie es um diese Mauer steht, wie ihr Wesen ist, was sie sein will.

Ja, sie ist mächtig, diese Mauer; sie ist unüberwindbar hoch und sie ist eigentlich hässlich weissgrau und noch ähnliches mehr, doch da ist auch anderes. Es ist nicht zu sehen, es ist nicht zu fühlen. Da ist etwas, das singt. Fast unhörbar schallen um diese Mauer wohlklingende Töne und kreieren Melodien, die längst vergessene Erinnerungen wieder aufleben lassen. Es sind wehmütige Klänge, suchende Kaskaden wirbelnder Töne. Sie erzählen von den Ursprüngen, von den Anfängen, vom Entstehungsweg, der notwendig war und der zu diesem Mauerbau führte. Seit ungezählten Äonen klingen ihre Weisen und bewahren längst vergessene Geheimnisse, warum diese unüberwindbar scheinende Mauer so mächtig erbaut wurde.

Da war einmal eine Zeit und ein Land, das kannte keine Grenzen. Die Tage schienen sich unendlich lange hinzuziehen oder vergingen im Lidschlag eines Augenblickes. Die Horizonte waren frei von Begrenzungen und mühelos wurde der Raum von Horizont zu Horizont durchschritten. Die Leute, die in diesen Zeiten und Ländern lebten, kannten keine Sorgen, kannten keine Nöte; es war alles vorhanden, was immer sie sich auch vorstellen mochten. Und so herrschte Achtung und Frieden zwischen diesen Menschen und sie lebten in tiefer Einigkeit mit der umgebenden Natur.

In einem wundersamen Einklang zwischen Geben und Nehmen, zwischen Sein und Haben war ein grenzenlos kreativer Austausch im Gange. Ungeschriebene Verhaltensweisen, denen auf verspielte Art automatisch entsprochen wurde, regelten von alleine die täglichen Notwendigkeiten. Nichts und niemand fiel aus dem Rahmen dieser Welt, alle gehörten voll und ganz mit ihren ureigenen Charakteren dazu. Der Blinde wusste um seine Gaben, der Narr setzte gewandt seine Geistesblitze ein, und der König führte mit elementarer Mächtigkeit sein Gefolge wohlbehalten durch die heftigsten Gewitter.

Und immer wieder tat in diesen vor Äonen gelebten Zeiten wie durch Zauberhände geführt jedes Wesen, ob Mensch, Tier oder Pflanze, das Idealste, um mit seinen Taten der grossen, alles umfassenden Gemeinschaftlichkeit dienen zu können. Und viele, viele Nachfahren erzählten später, diese Leute hätten in einem Paradies gelebt. Doch dem war in einem gewissen Sinne nicht so, denn diese Menschen kannten das Wesen der Mauer nicht. Vieles war ihnen gegeben, doch diese Erfahrung ward ihnen nicht zuteil. Und es dämmerten Zeiten herauf, da horchten diese Bewohner auf: Irgend etwas, etwas Unaussprechliches, Unbegreifliches, noch nie Erlebtes fehlte in ihrem Sein - etwas, das ihnen nicht gegeben war und das ihnen ungeahnte neue Erfahrungsmöglichkeiten bescheren würde.

Mehr und mehr, zuerst kaum erkennbar, wurden die ersten in einer Art und Weise unruhig, wie sie es bisher noch nie gekannt hatten. Sie waren glücklich, diese Menschen, gewiss. Sie waren auch in einer unsagbar herrlichen Weise fröhlich und unbekümmert. Sie liebten alles und jedes; was auch immer ihnen begegnete, es war ein Teil von ihnen und sie waren ein Teil von ihm. Doch was war das nur, das da nicht war?

Die Zeit gedieh. Mehr und mehr ergriff eine nicht benennbare Unruhe diese Zeitgenossen. Etwas wollte sein, was noch nie gewesen war.

Sie begannen sich zu fragen, ja sie begannen sich sogar zu hinterfragen, und sie erkannten immer mehr: Ihnen fehlte einen Seinszustand, in dem sie sich selbst noch nicht erfahren konnten! Immer häufiger wurden einzelnen Bewohnern ungeheuerliche Träume zuteil, die mit keiner Faser ihres Seins gedeutet werden konnten. Und doch, obwohl sie aus ihnen nicht schlau wurden, wurden sie sich leicht einer Veränderung gewahr. Sie spürten, dass ihnen etwas Neues zuteil wurde; sie wurden „vorsichtig“. Je mehr sie solch unerklärliche Träume in ihren wohlgeliebten Schlafstunden durchlebten, desto mehr wurden sie und ihre Mitbewohner, ja auch ihre Umgebung, die Pflanzen, die Tiere, die Klänge des Wassers wie jene des Windes, davon berührt. Ein unmerkliches Vibrieren und Pulsieren durchwebte erst sanft, dann heftiger werdend dieses paradiesisch scheinende Sein. Diese Kraft nahm zu und einzelnen Bewohnern schien es, als würden sie aus einem sehr wirklichen Traum heraus aufwachen.

Unruhe entstand und Chaos begann in unbändig werdender Freude mit seiner Kreativität zu spielen.

Die Veränderungen wurden drängender, fordernder. Alles ging scheinbar drunter und drüber, die Bewohner wussten nicht mehr, ob sie träumend lebten oder lebend träumten. Da war kein Krachen und Zerbrechen, doch genau dies schien zu geschehen!

Eine Welt brach auseinander, wendete sich um sich selbst, wirbelte in spielerischer Ekstase und führte
zusammen, was für unmöglich, für undenkbar gehalten worden war. Unaussprechliches gebar sich durch das lautlose Schreien einer untergehenden Welt hindurch, hinein in ein donnerndes und blitzendes Dröhnen eines unsäglich schockierenden, unbekannten, andersartigen Seins hinein. Alle, ob Mensch, Tier, Honig, Milch oder Mauerblume, alle wurden hineinkatapultiert in eine Umwelt, die wohl die alte zu sein schien, doch nun war jedes Detail, auch das kleinste Mückenbein, um Nuancen wirklicher, als sie es bis jetzt erfahren hatten.

Doch es war nicht dieses wirklichere greifbarere Sein, das sie so aufschreckte, nein, dies war es nicht.

Etwas viel Schockierenderem und zugleich neugierig Stimmendem wurden sie gewahr. Wohin sie auch sahen, was sie auch hörten, wem sie auch begegneten - da war etwas, das waren sie nicht! Da war etwas, das war da draussen! Das war nicht mehr mit ihnen! Sie waren nicht mehr zusammen! Sie waren nicht mehr eins! Sie waren getrennt, und wie Schuppen fiel es den meisten von ihnen von den Augen: Sie waren eingekehrt in ein Sein, in das sie schon seit Äonen hatten eingehen wollen.

Und hier, hier in dieser unbegreiflichen chaotischen Zeit, wo alles Sein umgekrempelt worden war, begann ein Werk, das sich über die nächsten Äonen hinziehen sollte; unüberwindbar scheinende Mauern der Getrenntheit wurden im Gleichschritt mit der Erkenntnis: „Ich bin anders als die anderen“, aus festem, unbeugsam starrem, Klarheit verschleierndem Material errichtet.

Unmengen an Zeit, Unmengen an Menschenjahren und Menschenleben wurden in diesen unwirklich scheinenden Mauerbau investiert. Zuerst ohne auch nur bemerkt zu werden, wuchsen Steinquader um Steinquader empor. Und mit jeder neuen Schicht wurde aus Gemeinsamkeit tiefe, verfestigte Einsamkeit, wurde aus einem Miteinander ein Zueinander, ein Gegeneinander. Mit jedem Stein veränderte sich eine alte legendenhafte Welt der Einigkeit in ein Sein, wo jedes Wesen in einer direkten Auseinandersetzung mit gleich scheinenden Wesen sich als selbständig wirkend und kreierend erfahren konnte, was wiederum kaum bemerkbar den Mauerbau beschleunigte. Und unverzagt, ohne Unterlass, wurde die Mauer in einer unmöglich scheinenden Grösse und Mächtigkeit bis an die hintersten Grenzen, bis an die entferntesten Horizonte, bis in unwirklich werdende Gegenden hinein erbaut und fertig erstellt.

Bis in die hintersten Ecken jedes Wesens wurde dieses neuartige Sein von Abgegrenztheit ausgeforscht und ausgekostet. Jede noch so unmöglich scheinende Erfahrung wurde möglich, wurde gelebt und liess einen weiteren Stein der Erkenntnis entstehen. Und es schien, als würde dieser Mauerbau noch während Äonen unverzagt und ungehemmt weitergehen. Immer noch fast unbemerkt wurde dieses Werk weitergeführt; es stand so fest, so mächtig, so unnachgiebig und wohl eingefügt in die Landschaft geschmiegt. Es war fast so, als wäre es immer schon gewesen und würde immer sein - mächtig und unbemerkt.

Da durchlief eines Tages - ohne dass ein Schimmer eines Grundes dafür erkennbar gewesen wäre - ein leichtes Zittern, fast eher ein minimstes Rumoren, das allmächtig scheinende Wesen der Mauer. Und dieses kaum wahrnehmbare Vibrieren liess einzelne Wesen hellhörig werden. Sie horchten verblüfft in alten Weisen und ihnen wurde ein klein wenig klarer gewahr: Um sie herum stand eine mächtige, alles umfassende, alles abschirmende Mauer, in unnachahmlicher Perfektion erbaut.
 

Und hier beginnt eine Reise hinein ins Unbekannte, wo auf unterschiedlichen Wegen tanzend nach Möglichkeiten gesucht wird, dem Wesen dieser einzigartigen „Mauer“ näher zu kommen. Sie überhaupt zu erkennen, sie zu sehen, sie zu begreifen, mit ihr zu sein und schliesslich durch sie hindurch zu wachsen, aufzubrechen zu einem Ort, einem Sein, das hinter den bekannten Wirklichkeiten in den Unmengen an Jahren ein jungfräulich scheinendes paradiesisches Dasein entwickelt haben mag….

 

Anfügung Dezember 2010

Dies ist "ein Weg", den ich nun seit Jahren "gehe".

Seit ich das Wesen der Mauer wieder erkennen konnte, suche ich nach den "Strukturen" dieser Mauer - und in einer wieder entdeckten Geometrie wurden sie sichtbar.

Siehe als Beispiel den "Stern des Metatron".

Stern des Metatron, Stern,

 



Jahrtausendelang war der "Würfel des Metatron" das Mass der Dinge.

Würfel des Metatron



Doch in ihm ist die "Grenze", der "Schleier", die Mauer nicht zu erkennen. Erst wenn sein Sein erweitert wird und der "Stern" hervorgehoben wird, wird im gleichen Augenblick auch die Grenze, die um den Würfel des Metatron angelegt ist, sichtbar.

Auch innerlich wurde ich bereit, meine "Grenzen" zu finden, sie zu sehen, sie zu durchschreiten. Neues konnte sich zeigen - kaum in Worte zu Fassendes.

Seitdem ist es ein Anliegen, diese Erfahrungen in Worte zu kleiden. Ob und wie gut es mir gelingen wird, all dies in Worte und Bilder zu übertragen, werden die kommenden Jahre zeigen.

Ein Anfang ist gemacht.

Mit den Büchern:
Vom ewig beginnenden Ende
und
Multidimensionale Mandalas Edition 3 : 6

 

 


 


Geburt


August 2006

Das sich „Gebären“ in eine neue Dimension hinein hat je länger es andauert markante Ähnlichkeiten mit der Geburt eines Kindes. Ob dies im Kleinen als Individuum erlebt wird oder als etwas Grösseres, wie zum Beispiel als die gesamte Menschheit, der Vorgang bleibt sich sehr ähnlich. Wie es im kleinen einzelnen Fall eines Kindes passiert, so geschieht es auch im Großen. Werden die Dinge durch diese Brille gesehen, können die letzten 5'200 Jahre der Menschheit in einer erweiterten Weise betrachtet werden.

So können die äusserst dynamischen, kriegerischen, kämpferischen letzten 5'200 Jahre als ein Moment in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit betrachtet werden, in dem, metaphorisch gesprochen, das Kind (die Menschheit) in den Geburtskanal eingezwängt worden ist. Entsprechend herrschen in einem solchen Moment vermehrt Druck und Enge vor. Empfindungen von Kampf, Aushalten und Zwang sowie unbestimmte Ängste bestimmen ununterbrochen den Alltag. Ein solches Sein spiegeln die letzten 5'200 Jahre in immer wiederkehrenden Facetten wider. Ein Kämpfen und Bemühen um alles und jedes bestimmte weitgehend die Lebensweise. Es dauerte so lange an, dieses Sein wurde für uns normal. Und nun kommt das Erfreuliche, wenn wir durch den Geburtskanal hindurch gepresst worden sind, erscheinen wir in einer komplett neuen, unbekannten, andersartigen Realität. Wir erscheinen in einer Welt, die in einer leichteren, freieren Weise auf uns einwirken wird als die vorhergehende Realität.

In diesen „letzten“ Zügen der Geburt wartet ein weiterer sehr spezieller Moment auch noch auf uns. In solchen Momenten von Geburt, es ist ein Tod und eine Geburt zugleich, kommen die Gebärende, die Mutter/die Erde und das zu gebärende Kind/die Menschheit, dem was „Schöpfer“ ist, was „Gott“ ist, was „Alles Was Ist“ ist, ungemein nahe. Es werden Augenblicke entstehen – die Äonen gleich andauern können – in denen ein Verschmelzen mit Allem Was Ist entstehen kann. Diese lichtvollen Momente werden das Sein von der Mutter/der Erde und dem Kind/der Menschheit erfüllen und berühren in solcher Weise, dass alles, was folgen wird, mit einem erhöhten Glanz des Göttlichen berührt sein wird. Gottes Gegenwart wird deutlicher erfahrbar.

Eine solche Geburt bringt auch jeden Einzelnen wieder näher zu sich selber. Äonenlang verdrängte Aspekte, vergessen gegangene Anteile einer jeden einzelnen Person rücken mit jedem „Pressen“ der Wehen wieder näher zu ihr heran. Ob sie will oder nicht, in ganz natürlicher Art wird sie sich ihrer Gegenwart wieder gewahr. Ob es angenehme oder unangenehme Aspekte sind, das ist in sich gleich. ALLES drängt sich wieder zusammen. Und es besteht die unsäglich schöne Möglichkeit, sich wieder mit Allem Was Jeder Ist zu ereinen. Verzeihen und Annehmen all der Dinge, die gewesen sind, tritt mehr und mehr an die Stelle von Ablehnen und Bekämpfen. Mit jedem weiteren Wehenstoss wird hauchfein deutlicher erkennbar, was ALLES zu jedem gehört. Mit jedem erneuten Verzeihen und Annehmen steigt unmerklich das Vermögen der Liebe zu sich selbst und im Gleichschritt die Liebe zu All den anderen an. Dadurch wird weiteres Verzeihen und Annehmen in einer bisher nicht bekannten Weise möglich, so viel, dass ein Liebesempfinden aufzublühen beginnen kann, das Schranken überwinden wird, wie noch nie gekannt. Ganze Wände und Wälle von Abneigung und Ausgrenzung können und werden, fast wie von alleine, fallen. Grenzen öffnen sich, Emotionen beginnen freier zu fliessen, überbrückend jedes Hindernis.

In diesem Sein beginnen sich alle Grenzen aufzulösen. Sachte und doch unweigerlich. Das Sein des Kindes/der Menschheit, obwohl nun äusserst eng im Geburtskanal steckend, wird grenzenlos weit. Dies ist der Augenblick, indem Alles Was Ist in seinem unendlichen Sein miterfahren werden kann. Ein Mitsein mit Gott, mit Schöpfertum entsteht, das all das Gewesene in sich vereinen kann und durch diesen Akt frei wird, All Das Was Jeder Ist wieder in ein neues Sein hinein ausfliessen zu lassen.

Ein kurzer und zugleich unendlich lang andauernder Moment ist entstanden, worin ebenso alle je gewesenen Dimensionen, alle je entstandenen Ebenen, alles je entstandene Sein in freier losgelöster Weise offen mitschwingen können. Unendliches Sein, unendliches Wirken eröffnend – mit zu sein, mit dem Was Gott Ist.

Solcherweise geläutert und bereichert beginnt ein sanftes Ausfliessen hinein in eine neue noch unberührte Welt, voller noch nicht empfundenen Gefühlen und Gedanken. Unbegrenzt frei und offen in ihren Ausdrucksmöglichkeiten, erwartet die „neue“ Realität freudigst und liebevoll ein jedes Kind / die gesamte Menschenheit.

 

AnOA, Andreas OttigerAmann, Bewusstseinsfinder, 16.-18.08.2006

 

 

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